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Faszination Ferienflieger

Heute möchte ich eine Geschichte von Tomatensaft, Sicherheitsvorführungen und unroutinierten Pauschaltouristen erzählen.

In meinem letzten Urlaub fiel mir mal wieder auf, wie faszinierend es ist, Menschen in Ihrer freien Wildbahn zu beobachten. Es gibt unzählige Verhaltensmuster und Handlungen, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann.

Die verschiedenen Fluggäste

So schweiften meine Detailverliebten Blicke schon am Flughafen durch die Wartehalle, bereits hier teilten sich die Fluggäste mit dem Urlaubsziel „Palma de Mallorca“ in drei verschiedene Lager:

  • Auf den Sitzplätzen, die routinierten Vielflieger, die mit dem Bording-Prozedere vollkommen vertraut sind und in morgendlicher Seelenruhe auf die freundliche Kartenabreiß-Dame der Fluggesellschaft Ihres Vertrauens warteten.
  • Vor dem unbesetzten Bording-Schalter, die aufgeregten Pauschaltouristen, die sich schon mindestens zweieinhalb Stunden vor dem Abflug durch den Check-in schleusten und nun in einer aufgescheuchten Unruhe darauf warteten endlich ins Flugzeug gelassen zu werden.
  • Und letztendlich die urlaubsfreudigen Jugendlichen, die schon am frühen Morgen, nach der ersten geöffneten Bar Ausschau hielten, um sich mit Bier, Sekt oder anderen alkoholischen Getränken auf den gewissen Pegel zu trinken, den Sie dann höchstwahrscheinlich die nächsten ein bis zwei Wochen am Strand von El Arenal aufrecht erhalten wollten.

Als letzter Fluggast betrat ich das Flugzeug. Neben aufmerksam zuschauenden Pauschaltouristen ließ ich die Sicherheitsvorführung über mich ergehen, bis ich dann von der freundlichen Flugbegleiterin, nett, aber bestimmt, darauf hin gewiesen wurde, dass ich mein iPhone nun endlich ausschalten solle. Auf mein Angebot, den Flugmodus zu verwenden, ließ sich die Frau leider nicht ein.

Beim ersten Service folgte eine Kuriosität, die ich noch nie Verstanden habe. Die Fluggäste um mich herum bestellten Tomatensaft mit Salz und Pfeffer…

Tomatensaft mit Salz und Pfeffer

Warum tut man so etwas? Ich konnte es mir nicht entgehen lassen, mich mit diesem Mysterium, wenigstens kurzfristig weiter zu beschäftigen. So bin ich im Internet auf sehr interessante Beiträge gestoßen, die ich gerne mit euch teilen möchte: 

  • 1993 hagelte es üble Beschwerden von Passagieren als Lufthansa den Tomatensaft von der Bordkarte strich. Das Ergebnis: 48 Stunden später wurde wieder ausgeschenkt und zufrieden gerührt.
  • Für den Grund, warum Tomatensaft im Flugzeug so beliebt ist, existieren zahlreiche Theorien mit physiologischem (Veränderung des Geschmacksempfindens bei geringerem Druck, Elektrolyt-Theorie) und mit psychologischem (z.B. “me too”-Effekt) Hintergrund. Die wahre Erklärung bleibt jedoch weiterhin völlig offen.
  • Das Bordpersonal beobachtet immer wieder eine Art Kettenreaktion: Bestellt sich einer Tomatensaft, wollen ihn plötzlich alle. Auf manchen Flügen bleibt die Crew dagegen auf der Ration sitzen. Immerhin schenken Airlines in Deutschland rund 1,5 Millionen Liter pro Jahr aus. Besonders gut geht der Wundersaft auf den Strecken von und nach Düsseldorf. Auch dafür gibt es keine Erklärung.
  • Allein auf Flug 015 von Frankfurt nach Atlanta werden von den rund 160 Passagieren durchschnittlich 32 Büchsen Campbell’s Tomato Juice getrunken. Einer von fünf trinkt Tomatensaft. 
  • Auch deutsche Komödianten nehmen sich dem Thema Tomatensaft an. So schreibt Thomas Hermanns beispielsweise „Das Tomatensaft Mysterium – Fliegen in der Comedy Class“.

Die Landung am Zielort

Der Rest des Fluges verlief ohne größere Auffälligkeiten. Spannend wurde es erst wieder nach der Landung, als die große Menge an Pauschaltouristen mit einem tosenden Applaus, die Landung in Palma und die wahnsinnige Leistung des Piloten feierten. Liebe Leute, wenn der Taxifahrer mich abends nach Hause fährt, fange ich doch auch nicht an zu klatschen, nur weil er mich sicher vor der Haustür abgesetzt hat. Ich kann es einfach nicht verstehen. Na ja, ich werde mich dran gewöhnen müssen und es mit einem schmunzeln über mich ergehen lassen.

Schließlich hatte das Flugzeug seine endgültige Parkposition erreicht und alle Leute, die es anfänglich kaum erwarten konnten das Flugzeug zu betreten, versuchten nun als erste, das Flugzeug wieder zu verlassen, obwohl die Tür noch lange nicht geöffnet war.

Vielleicht könnt Ihr mir diese Kuriositäten erklären. Warum trinkt man Tomatensaft im Flugzeug? Welchen Vorteil habe ich, wenn ich als Erster die Maschiene betrete? Und, ist es eine Straftat, wenn ich mir den Sicherheitscheck nicht zum hundertsten Male anschaue? Habt Ihr ähnliche Beobachtungen gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare.


Thorsten Rusch vor 5 Jahren

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