Die Welt der Digital Natives – Ein Einblick für Personaler - detailverliebt.de
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Die Welt der Digital Natives – Ein Einblick für Personaler

Vor einiger Zeit wurde ich gefragt, ob ich für hrm.de, dem führenden Netzwerk für Personaler, einen Gastbeitrag schreiben möchte. Heute werde ich euch meinen Artikel über die Welt der Digital Natives vorstellen und einen interessanten Einblick in meinen Alltag als Mitglied der „Net-Generation“ geben.

Auf den nun folgenden knapp 6000 Zeichen habe ich versucht, der teilweise noch etwas weniger digitalen Personalwelt den Lifestyle und die Verhaltensweisen von „Digital Natives“ etwas näher zu bringen:

Durch die Brille der Net-Generation. Wie Unternehmen „Digital Natives“ im Internet erreichen können

Was bewegt sie eigentlich, die Generation, die das Internet wie die eigene Westentasche kennt? Und wie können Unternehmen sie am besten ansprechen? Aus Sicht der so genannten „Digital Natives“ verdeutlicht Thorsten Rusch, wie seine Generation tickt und Firmen sich im Recruiting darauf einstellen können.

Mit meinen 23 Jahren gehöre ich zur ersten Generation, die vollständig mit dem Internet aufgewachsen ist. Meine Altersgruppe hat viele Namen, etwa „Generation Y“ oder „Digital Natives“. Egal welche Bezeichnung Sie bevorzugen, mein Anliegen ist es nun, Ihnen aus meiner Sicht einen kleinen Einblick in die Innenwelt dieser Generation zu geben.

Während die „Generation Y“ langsam in den Arbeitmarkt eintritt, agiert die nachrückende „Generation Z“ (ab 1990 geboren) noch viel intensiver im Internet und im Web 2.0. Für Unternehmen dürfte es deshalb ein Anliegen sein, sich heute schon mit den Charakteristika ihres zukünftigen Personals auseinanderzusetzen, um dieser Zielgruppe angemessen gegenüber zu treten.

Wie Digital Natives ticken

Die Generation Y charakterisiert vor allem die Art und Weise, wie sie sich im Internet bewegt und welche Präferenzen sie dort hat. Nehmen Sie mich als Beispiel: Das Internet ist mein Alltag. Ich bin täglich 24 Stunden online und jederzeit erreichbar. Denn auch wenn ich schlafen gehe, ist mein Handy auf Empfang. E-Mails lese ich mit meinem iPhone. So weiß ich immer und überall, wer mich kontaktiert und kann umgehend antworten.

Sie mögen das für einen Einzelfall halten und sicherlich ist mein Internetverhalten in dieser Intensität nicht die Regel. Aber ein Großteil meiner Freunde, Bekannten und Kommilitonen (neben meiner Position als Marketing Specialist Central Region bei StepStone Solutions absolviere ich ein Abendstudium an der FOM) führen einen vergleichbaren Lebensstil. Für uns ist die Kommunikation über Social Networks wie Facebook, StudiVZ, XING oder Twitter ein wesentlicher Teil unseres Lebens geworden.

Ein Beispiel: Ich arbeitete in Düsseldorf mit einem gleichaltrigen Kollegen zusammen. Vergangenes Jahr ist er wieder zurück in seine Heimatstadt Berlin gezogen. Um unsere Freundschaft zu pflegen und aufgrund unserer gemeinsamen Interessen entwickelten wir die Idee, ein Online-Projekt auf die Beine zu stellen. Seit knapp zehn Tagen ist unsere Website „www.detailverliebt.de“ nun online und wir stehen weiterhin täglich im Kontakt – über Skype, E-Mail und Telefon. Dabei kommt uns jedes Wiedersehen nach Wochen so vor, als hätten wir uns gerade mal zwei Tage nicht gesehen.

Das Internet bietet uns allen eine ideale Möglichkeit, auch über weite Entfernungen schnell und effizient miteinander zu kommunizieren. Was wir früher telefonisch geklärt haben, besprechen wir heute in Online-Netzwerken. Aus meiner Generation kenne ich niemanden, der nicht mindestens in einem Social Network angemeldet ist.

Um zu verdeutlichen, wie rege Digital Natives Social Networks nutzen, habe ich eine kleine Übersicht meiner Aktivitäten zusammengestellt:

  • Facebook
    • Mitglied seit: Dezember 2007
    • 200 Freunde
    • Am 12. April um 23:56 Uhr: 27 Freunde online
  • StudiVZ
    • Mitlied seit: April 2007
    • 197 Freunde
    • 604 Nachrichten verschickt
  • XING
    • Mitglied seit: September 2006
    • 391 Kontakte
    • 3826 Profilaufrufe
  • Twitter
    • Mitglied seit: Januar 2009
    • 299 Follower
    • Bisher 313 Tweets verschickt

Soziale Netzwerke sind dabei sicher nicht nur in meiner Generation im Kommen. Auch die Gesamtnutzerzahlen in Deutschland sind beachtlich:

Nutzerzahlen in Deutschland
(Unique Users: Mio./Monat)

  • VZ-Gruppe: 16,0
    • StudiVZ: 6,0
    • MeinVZ: 4,4
    • SchülerVZ: 5,6
  • Facebook: 10,6
  • XING: 3,7
  • Wer-kennt-wen: 7,0

Quelle: Comscore, Deutschland, Dezember 2009

Social Networks für das Recruiting einsetzen

Da sich viele potentielle Kandidaten von Unternehmen in Social Networks bewegen, werden diese Netzwerke im Internet zunehmend zu einem Recruiting-Instrument. Auch wenn Web-2.0-Plattformen das „klassische Recruiting“ wie Online- und Print- Stellenbörsen, Hochschulmarketing oder Jobmessen nicht so schnell ablösen werden, tut sich hier doch eine weitere Quelle für die Rekrutierung auf. Allein mit der Unternehmenswebsite werden Unternehmen jedenfalls nicht mehr an die Digital Natives herankommen.

Viele Firmen „googlen“ bereits ihre Bewerber und potentielle Kandidaten. Doch es wäre fahrlässig davon auszugehen, dass sich die Kandidaten nicht gleichermaßen über den potentiellen neuen Arbeitgeber informieren. Deshalb sollten sie nicht nur im Internet präsent sein, sondern auch wissen, was dort über das eigene Unternehmen geschrieben wird.

Es gibt diverse, kostenlose Tools mit denen Sie das herausfinden können:

  • Google Alerts
    • Dieser Dienst informiert Sie per E-Mail darüber, wenn eine Internetseite ein von Ihnen festgelegtes Schlagwort verwendet. So können Sie beispielsweise den Namen Ihres Unternehmens angeben und werden fortan über alle Neuigkeiten aus dem Internet informiert.
  • TweetDeck
    • Tweetdeck ist ein kleines Programm, mit dem Sie Ihren Twitter-Account managen und sich über die aktuellen Neuigkeiten auf Twitter, wie beispielsweise über Ihr Unternehmen, informieren können.
  • SocialMention
    • Diese Website durchsucht verschiedenste Social Networks nach allen Informationen zu einem bestimmten Schlagwort. Sie sollten es mal mit Ihrem Firmennamen versuchen…
  • RSS-Feeds
    • Auf vielen Websites können Sie Nachrichten über RSS-Feeds abonnieren. In einem RSS-Reader, einer Art Nachrichtenticker, der neue Informationen sammelt, erhalten Sie eine Übersicht über den neusten Inhalt Ihrer Abonnements.

Firmeninhalte im Netz präsentieren

Über das eigene Image informiert zu sein, ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die andere besteht darin, selbst relevante Inhalte zu schaffen und firmeneigene Botschaften zu transportieren.

Doch „einfach loslegen“ ist wahrscheinlich die schlechteste aller Alternativen. Nachhaltige Aktivitäten im Internet benötigen eine gute Planung, Engagement und vor allem jede Menge Arbeitskraft. Folgende Punkte empfehle ich Ihnen, dabei zu beachten:

  • Social Media ist KEIN Studentenjob.
  • Erstellen Sie einen Einsatzplan. Sie sollten festlegen, wer für die Aktivitäten verantwortlich ist und wer über welche Themen schreibt.
  • Reden Sie mit Ihrer Marketingabteilung über die Inhalte.
  • Seien Sie authentisch.
  • Es bringt nichts, einfach nur „Stellenangebote“ über Twitter zu posten. Das ist auf die Dauer zu langweilig.
  • Treten Sie mit Ihrer Zielgruppe in Dialog.
  • Seien Sie kreativ.
  • Kommunizieren Sie regelmäßig und nachhaltig.

Außerdem ist es sinnvoll, dass Unternehmen genau sondieren, welche Portale für Sie relevant sind. Denn die unzähligen Social Networks haben unterschiedlichste Benutzergruppen. Unter Personalern gilt XING – nicht erst seit dem Social Media Report HR 2010 – als das meist verbreitete Portal. Es ist zwar das größte Business-Netzwerk in Deutschland, in dem sich die Berufswelt widerspiegelt. Aber junge Nachwuchskräfte finden Recruiter eher auf Facebook oder StudiVZ.

Um Digital Natives auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen, können Unternehmen beispielsweise eine Gruppe auf Facebook oder in XING aufmachen und gezielt Personen dieser Zielgruppe einladen. Auch eine Präsenz auf Twitter macht Sinn – vorausgesetzt, jemand pflegt sie regelmäßig. Eine Möglichkeit wäre auch, eine Employer-Branding-Kampagne in Social Networks zu bewerben.

Social Media professionell angehen

Um die Vielzahl an möglichen Aktivitäten im Internet zu managen, schaffen heute schon viele Unternehmen eigene Stellen oder Bereiche für „Social-Media-Experten“. Digital Natives könnten dabei eine gute Besetzung sein: indem sie Unternehmen dabei helfen, obenstehende Vorhaben umzusetzen.

Digital Natives haben aus meiner Sicht andere Vorstellungen vom idealen Job als ihre Vorgänger-Generationen. Der Glaube an eine glücklich machende Festanstellung geht uns immer mehr verloren. Wenn Sie uns für Ihr Unternehmen gewinnen möchten, werden monetäre Anreize vermutlich weniger greifen. Für uns spielt es eine große Rolle, Verantwortung und Freiheiten zu bekommen. So ist ein Job, bei dem Mitarbeiter nicht mal schnell online gehen dürfen, um eine private E-Mail zu schreiben, für viele ein absolutes KO-Kriterium. Ich persönlich würde mich darauf jedenfalls nicht einlassen.

Nun bin ich auf Euer Feedback gespannt! Bitte bedenkt, dass dieser Artikel ganz klar an Personaler gerichtet war. Wie seht Ihr es? Was ist Euch in der Berufswelt wichtig? Wie möchtet Ihr angesprochen werden? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

Thorsten Rusch vor 8 Jahren

Kommentare

  • Albert (Xivi)sagt:
    21. May. 2010 um 14:50

    Guter und interessanter Artikel. Ich lese zur Zeit auch ein Buch über das Thema „Social Media Marketing“. Das Buch ist von O’REILLY und der Kerl ist echt ein Meister in diesem Bereich. Das Buch heißt, wer hätte es gedacht: „Social Media Marketing – Strategien für Twitter, Facebook & Co.“. Kann ich an der Stelle auch absolut weiterempfehlen, wer das vertiefen möchte.

    Zum Thema Job – ich schreibe meistens auch direkt von der Arbeit aus, so auch diesen Kommentar. Internet gehört zu meinem Leben einfach dazu und auch die Möglichkeit schnell mal irgendwo was lesen zu dürfen und natürlich auch darauf zu antworten. Das Problem liegt einfach ganz klar bei den Chefs – die meisten sind 50 aufwärts und ticken dementsprechend so (zum Glück nicht meiner, *grins*).
    Sie können sich da einfach nicht hinein versetzen und denken in ihren alt bewährten Mustern. Ich glaube auch, wir Deutsche sind da immer noch sehr streng drin, bloß keine Veränderung, könnte ja weh tun!

  • Thorsten Ruschsagt:
    22. May. 2010 um 12:58

    Hi Albert!
    Vielen Dank für dein Feedback! Wie du schon sagst, ich denke viele können diese „neue“ Lebenseinstellung, die sich durch das Internet gewandelt hat, nicht nachvollziehen. Oftmals werden nur Nachteile gesehen. Die Vorteile, wie Inspiration, Kreativität und Aktualität werden häufig ausgeblendet.
    Ich denke in diesem Zusammenhang wird in den kommenden Jahren ein Wandel vollzogen, denn ohne das Internet geht es einfach nicht mehr. Es ist ein zu mächtiges Instrument, das man nicht ignorieren ignorieren, geschweige denn steuern kann.
    Viele Grüße,
    Thorsten

  • Svensagt:
    23. May. 2010 um 10:38

    Ich kann dem Artikel eigentlich nur zustimmen. Einige Erweiterungen gibt es bei mir im Blog, aber mein Kompliment für den Artikel gibt es hier.

    Ich gehöre zu den glücklichen, die auch im Job in den Netzwerken sein können. Allerdings arbeite ich auch in einem Unternehmen, das online tätig ist. Dennoch können viele Unternehmen noch lernen, was den Umgang mit Web2.0 und dessen Einwohnern angeht.

    Für mich haben die Generationsgrenzen hier auch etwas von der Entdeckung der Welt in der frühen Neuzeit. Das alte Europa und das neue Land im Westen (Amerika).

    Und was ist es heute? Wer ist der Erfolgreiche? ;-)

  • […] Seien Sie authentisch.” (Quelle: Thorsten Rusch, detailverliebt.de) […]

  • […] Auch wenn er es nicht so formuliert hat, er meint die Welt der “Digital Natives” (über die auch ich schon geschrieben habe). Er stellt fest, dass die Welt (getrieben durch das Internet) einer Entwicklung folgt, die […]

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