Wer sich beeilt, hat noch eine gute Chance im Museum Art Mûr in Montreal ein Autowrack zu bewundern. Aber nicht irgendein demoliertes Auto, sondern ein von Jannick Deslauriers aus Seide und Tüll kunstvoll genähtes Autowrack.

Die Skulptur sieht düster aus – wie ein richtiges Wrack auch auszusehen hat. In irgendeinem schweren Unfall zerstört, vielleicht von einem Raser oder Geisterfahrer zu Schrott gefahren, steht die einst elegante und schnelle Karosse hilflos da. Sie ist im Verfall begriffen, sie schwindet dahin.

” Fractured, the “translucent and dislocated” form caught in a moment of demolition which is the eponymous work in Deslauriers’ Sentence, souffle et linceul is a full scale automobile: its form distilled from meticulously researched images of both intact and damaged vehicles; its bespoke distressed surfaces conveying a visceral engagement with the reality of “certain geopolitical issues,” the artist seeks to address, the premeditated destruction which is “a symbol of our times.”

Die paradoxe Wahl des Werkstoffs lässt das Autowrack surreal wirken – es scheint nicht von dieser Welt zu sein und ist doch ein starkes Symbol. Es steht für die Vergänglichkeit von allem Seienden und auch dafür, wie doch lachhaft unsere menschliche Eitelkeit ist. Wir streben nach Luxus, wir lieben Geschwindigkeit und schaffen uns protzige Karren an. Doch nur ein Augenblick – und es alles vorbei…

Jannicks Kunst ist aber aus meiner Sicht weit mehr als nur ein wehmütiges Klagelied: Dieses textile Autowrack symbolisiert nicht zuletzt die menschliche Glanzleistung – die Fähigkeit, aus semitransparenten, fragilen Stoffen eine expressive Skulptur entstehen zu lassen.





(via) Copyright Jannick Deslauriers’