httpvh://www.youtube.com/watch?v=A3oIiH7BLmg

via Boing Boing

Noch nie hat mir eine Präsentation so viel Freude bereitet. Beeindruckt von den fantastischen Bildern und überwältigt von dem interessanten Vortrag, freue ich mich Euch von Philip Zimbardo’s Präsentation „The secret powers of time“ zu berichten.

Menschen leben in sechs unterschiedliche Zeitzonen

In einer grandiosen Präsentation beschreibt der an der Yale University promovierte und an der Stanford University tätige Professor, sechs unterschiedliche Zeitzonen, in denen Menschen leben. Es gibt:

  • die auf die Vergangenheit fokussierten Menschen (differenziert in positiv- und negativ-eingestellte Zeitgenossen)
  • die auf die Gegenwart fokussierten Menschen (unterteilt in Hedonisten und diejenigen, die denken, dass Ihr Leben vom Schicksal bestimmt sei)
  • und die auf die Zukunft fokussierten Menschen (hier gibt es laut Zimbardo die „Karriere-getriebenen“ Menschen und die Menschen, die sogar weiter denken als bis zum Tod).

Bis hier hin klingt es noch nicht sonderlich spannend, doch es ist die besonders detailverliebte Art und Weise der Präsentation, die dieses Video zu einem ganz besonderen „Stück Internet“ machen.

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich 10-minütige Youtube-Clips anschaut, doch was da in meinem RSS-Reader schlummerte ist mehr als ein normales Video. Es ist ein hochinteressanter Vortrag, der wissenschaftliche Expertise mit visuellen Hochgenüssen verbindet.

Allein der Wikipedia-Eintrag über den Autor (Philip Zimbardo) wäre einen ganzen Artikel wert.  In seiner Vergangenheit beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem spannenden Thema „Psychologie“, so führte er das berühmte Gefängnis-Experiment (vgl. Milgram-Experiment) durch, welches später auch u.a. im Kinofilm „Das Experiment“ mit Moritz Bleibtreu verfilmt wurde. Aber das nur am Rande, in der oben zu sehenden Präsentation widmet er sich im Großen und Ganzen dem Thema „Zeit“ in Verbindung mit der Gesellschaft.

Whiteboard ersetzt Powerpoint

Doch was ist es, was Zimbardo’s Vortrag so besonders macht?

Es ist die Art der Präsentation! Er zeigt nicht einfach ein paar Powerpoint-Slides und überträgt die eigentliche Botschaft auf der „Tonspur“, nein, es ist mehr. Es ist Kunst! Während Zimbardo seine, wie ich finde, hochinteressanten Inhalte präsentiert fixiert die Kamera ein Whiteboard. Und nun kommen wir zum „springenden Punkt“. Es ist die Symbolik, die dieser unscheinbare Stift auf das Whiteboard zaubert, welche die Präsentation so einzigartig macht.

Neben dem „branchenüblichen“ gesprochenen Wort, regen diese symbolischen Zeichnungen zum Denken an. Es ist ein Aufruf zur Kreativität, jeder kann die von Zimbardo angerissenen Punkte weiter „ausmalen“ und für sich in einen Gesamtkontext einordnen. Ich finde das grandios!

Aber zurück zum eigentlichen Inhalt: Insbesondere der letzte Teil der Präsentation hat mich besonders angesprochen: Zimbardo beschreibt eine zunehmend digitale Welt und die darin lebende Generation. Auch wenn er es nicht so formuliert hat, er meint die Welt der „Digital Natives“ (über die auch ich schon geschrieben habe). Er stellt fest, dass die Welt (getrieben durch das Internet) einer Entwicklung folgt, die dynamischer ist.

Der  Weg vom Monolog zum Dialog

Als herrliches Beispiel beschreibt er die konventionelle Schule, die in seinen Augen nicht für die zukunftsorientierte Generation der Digital Natives ausgelegt ist. Die analoge „frontal-Bespaßung“ durch einen Lehrer, der vor einem versammelten Klassenraum den Inhalt verschiedener Lehrbücher zum Besten gibt, entspricht nicht der digitalen, Dialog-getriebenen Welt der „Generation Internet“.

Die Welt wird dynamischer

Überspitzt gesagt, fehlt einfach die „Kommentar-Funktion“ und der „Gefällt mir-Button“ um auf authentische Art und Weise seinen Senf hinzuzugeben. In meinen Augen ist der Schüler der Zukunft neugieriger und offener. Er kann sich schneller und einfacher, für vergleichsweise „geringe“ Kosten in Echtzeit über alle Themen dieser Welt informieren.  Die digitale Welt birgt Chancen und Risiken. Auf der einen Seite kann man schnell und einfach auf ein nahezu unbegrenztes Wissen zugreifen. Anderseits kann man sich auch von den „wichtigen Dingen“ ablenken lassen. Ich bin äußerst gespannt, in wie weit die „neuen Medien“ den „Alltag“ verändern werden. Insbesondere in der Schule sehe ich noch viel Potential.

Aber auch in der Berufswelt sieht Zimbardo einen Wandel. Die junge Generation ist Karriere-orientierter und verzichtet auf vieles zu Gunsten von einem erfolgreichen Berufsleben. Immer häufiger geht es darum, seine Zeit effizienter einzusetzen und „Wartezeiten“ zu vermeiden. Man versucht seinen persönlichen Zeitplan soweit zu optimieren, wie es nur geht. Alles wird schneller, digitaler und dynamischer. Ich bin gespannt in wie weit er mit seinen „Darstellungen“ recht behält. Ich erkenne mich in seinen Zusammenhängen ganz klar wieder…

Und jetzt bin ich auf Eure Meinung gespannt! Wie gefällt Euch diese besondere Form einer Präsentation? Spricht Euch der Inhalt auch so an wie mich? Könnt auch Ihr Euch wieder finden?

Nachtrag für die besonders detailverliebten unter Euch: Im Video wurde das Buch „Geography of time“ von Robert Levine vorgestellt. Ich fand das Thema so interessant, dass ich es mir gerade bestellt habe. Dank dem Hinweis von Jeannine wissen wir nun, dass das Buch auch auf Deutsch unter dem Namen „Eine Landkarte der Zeit: Wie Kulturen mit Zeit umgehen“ verfügbar ist.