Kreative brauchen Platz für Ihre Ideen. Und die Sicherheit, dass diese auch sicher verwahrt werden. Ich war lange auf der Suche nach einer sinnvollen Lösung meine derzeit über 167.000 Fotos (634 GB), 1.327 Videos (360 GB) und Projekte (407 GB) mit gutem Gewissen und absoluter Sicherheit zu speichern. Nun hab ich endlich eine gefunden.

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Meine Synology DiskStation 411 (aktueller Nachfolger: DiskStation DS413 habe ich seit Ende 2011 und hier bereits vorgestellt. Damals lief die Einrichtung noch etwas hakelig – mit der aktuellen DSM 4.2 Version und der bald erscheinenden 4.3 sind aber wirklich großartige Funktionen hinzugekommen. Auch eine Cloud-Lösung à la Dropbox ist nun möglich. Mit den zwei eingebauten Western Digital 3TB Festplatten im 1 zu 1 gespiegeltem RAID 1 System bin ich zumindest vor Hardwareschäden geschützt. Doch erst mit der Kombination aus dem seit Herbst 2012 verfügbaren Amazon Glacier und der entsprechenden App für die DiskStation entstand ein mächtiges, wenn auch ziemlich simples Werkzeug zur (Offsite-) Langzeitaufbewahrung von großen Datenmengen.Was ist Amazon Glacier?

Amazon kennt man gemeinhin vor allem von seinem Online-Shop. Doch die Techniker unter euch werden wissen, dass es zum Betrieb eines solch mächtigen Logistik-Apparats ein, wenn nicht mehrere hocheffiziente Datenzentren braucht. Und nicht nur das: Auch die Software und deren gesamte Architektur müssen extrem gut aufeinander abgestimmt sein, damit Amazon den Service liefern kann, den es verspricht. Amazon hat auf diesem Gebiet so viel Pionierarbeit geleistet, dass das gesamte technische Konstrukt dahinter ziemlich einmalig ist.

Und diese Einmaligkeit brachte Amazon auf die Idee, damit ein weiteren Geschäftsbereich zu eröffnen. Sie bieten nun schon seit einiger Zeit (und mit großem Erfolg) Produkte auf Basis Ihrer Infrastruktur an. Das heißt: Wer selbst Webanwendungen entwickelt kann die Erfahrung von Amazon nutzen und mit den Services hochperformante (Online-)Produkte für mehrere Millionen Nutzer auf den Markt bringen.

In diese Reihe von Services gesellt sich auch Amazon Glacier. Es ist vor allem dazu gedacht, dutzende Terabyte-große Backups von Firmen langzeitig und kostengünstig zu speichern. Amazon möchte damit also nichts Geringeres als sämtliche firmeninterne Backuplösungen auf Bändern ersetzen. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Denn der Preis ist Amazon-typisch kaum zu schlagen. Und das schlägt wiederum den Bogen zu uns Privatanwendern.

Was kostet Amazon Glacier?

Prinzipiell zahlt man nur $0,011 pro GB/Monat für die Aufbewahrung. Auch wenn die Nutzungslogik dahinter eine andere ist, verglichen mit Angeboten für Privatanwender wie beispielsweise Dropbox ($99 für 100 GB/Jahr, also $0,0825 pro GB/Monat) demnach ein echtes Schnäppchen. Nämlich nur 13,34% der Kosten.

Der Haken: Die Preisberechnung und die dazugehörige Erklärung ist extrem verwirrend. Letztlich gilt es zu wissen: Amazon Glacier ist mehr oder minder als Zementfabrik konzipiert. Man kippt die Daten einmal rein und dort werden sie nach kurzer Zeit ziemlich „hart“. Eben ein reines Archiv. Keine Immer-im-Zugriff-jeden-Tag-Updates-Cloud-Lösung. Das Reinkippen und Aufbewahren ist dabei recht günstig.

Doch wenn man gespeicherte Daten beim lokalen Verlust aus dem Gletscher herausmeisseln, sprich wiederherstellen möchte, brauch es immer mindestens 4 Stunden Vorlaufzeit. Egal ob man eine Textdatei von 1 KB oder 9219218 Petabyte zurückholen möchte. Muss ja schließlicher immer erst einer die Bänder im Amazon Bunker wechseln.

Und genau an dieser Stelle lauert auch der größte Fallstrick an Amazon Glacier: Wenn man jetzt einen Abholauftrag startet und dabei ein riesiges Archiv in kürzester Zeit haben möchte, können die Kosten explodieren. Amazon rechnet hier immer mit einen Tages-Höchstwert der angefragten Datenmenge in einem bestimmten Zeitraum (GB/h). Alles ziemlich verworren, und hier im Detail nachzulesen.

Doch das schöne?

Mit dem Synology Amazon Glacier Backup ist es viel einfacher

Wenn ihr die DiskStation soweit fertig eingerichtet habt, braucht ihr nur die „Glacier Backup“-App aus dem Paketzentrum installieren, euch ein Amazon AWS-Konto erstellen und den zu sichernden Ordner auswählen. Der Rest geschieht dann von allein. Wichtig ist: Bei der Wiederherstellung in der App unter „Spitzen-Abrufrate (GB/4 Stunden)“ einen Wert nicht höher als 4-8 GB wählen. Wenn ihr es nicht so eilig habt und etwas auf eure Daten warten könnt, belasst es einfach beim Standardwert „1“. Das ist dann wesentlich günstiger.

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Und das kostet es im einzelnen

  • Speichergebühren: $0,011 pro GB/Monat (im Datenzentrum Irland)
  • Anfragegebühren: $0,055 pro 1.000 Anfragen (1 Anfrage = 1 Upload/Download einer Datei)
  • Datenabruf: $0,011 pro GB (nur wenn die 5% Freigrenze überschritten wird)
  • Datenübertragungsgebühren: $0,120 pro GB (nur beim Download, Upload umsonst)

An meinem Beispiel von vorhin (mit 19% MwSt.):

  • Einmaliger Upload von 201.000 Dateien, 1.400 GB: 10,37 EUR …
    (((Anzahl Dateien / 1000) * Anfragegebühr) * Wechselkurs) * 1,19 MwSt.
  • Speicherkosten pro Monat von 201.000 Dateien, 1.400 GB: 14,44 EUR …
    ((GB * Speichergebühren) * Wechselkurs) * 1,19 MwSt.
  • Speicherkosten pro Jahr von 201.000 Dateien, 1.400 GB: 173,32 EUR …
    (((GB * Speichergebühren) * Wechselkurs) * 1,19 MwSt.) * 12
  • Vollständiges Wiederherstellen von 201.000 Dateien, 1.400 GB mit angegebener Transferrate/Peak von 2 GB/h in 29,3 Tagen: 174,41 EUR …
    ((Anfragegebühr + Datenabrufgebühr + Datenübertragungsgebühr) * Wkurs) * 1,19 MwSt.

Die Gesamtkosten

Will man alle Kosten für dieses Setup zusammenrechnen kommt man derzeit für die Anschaffung auf 669,00 EUR für die DiskStation DS413 und zwei Western Digital 3TB Festplatten. Den Nachfolger deshalb, weil er mit 1 GB doppelt so viel Arbeitsspeicher hat – was in einigen fortgeschrittenen Testfällen extrem sinnvoll ist. Und weil die Kiste aktuell nur 3o EUR mehr als die alte DS411 kostet.

In die DiskStation passen 4 Festplatten, man kann sie aber natürlich auch nur mit einer betreiben.

Die Auswahl des RAID-Systems findet beim ersten Start statt. Die Kosten für den Betrieb hängen natürlich stark von der Größe eures Archivs ab. In meinem Fall habe ich jetzt 10,37 EUR für den Upload meiner Daten gezahlt. Pro Monat zahle ich 14,44 EUR für das Aufbewahren der Daten. Und sollte der schlimmste Fall eintreten und meine DiskStation löst sich von jetzt auf gleich in Luft auf, bin ich gerne bereit für über 201.000 Dateien und 1.400 GB an wichtigen Familienfotos- und Videos einmalig 174,41 EUR zu zahlen. Bei den anderweitigen Sorgen die man wohlmöglich in solchen Fälle hätte, spielt der Monat Wartezeit zum Empfang der Daten auch keine Rolle mehr.

Schön, elegant und einfach

Das wirklich schöne an der Synology-Lösung ist die Einfachheit. Die Einrichtung klappt prima, die „Glacier Backup“-App ist bereits im Paketzentrum enthalten. Muss nur mit einem Klick installiert werden. Die zwei, drei Textfelder für die Anmeldung bei den Amazon Web Services (AWS) sind schnell gemacht. Und die Auswahl der zu sichernden Ordner ist kinderleicht. Nur noch einstellen, ob die sich auch automatisch aktuell halten sollen und fertig.

Kleiner Tipp: Haut nicht alle eure Dateien in ein einziges Archiv. Teilt es zumindest etwas auf. Es gibt nämlich bis auf die Wiederherstellung mit der „Glacier Backup“-App keine wirklich sinnvolle Lösung um auf die Dateien in den Archiven zuzugreifen. Dinger wie FastGlacier lassen einen zwar auf den Inhalt schauen – wirklich hilfreich ist das aber nicht, weil im Gletscher-Archiv keine Dateinamen mehr zu sehen sind. Will man eine bestimmte Datei wiederherstellen, geht es am einfachsten ein ganzes Archiv wiederherzustellen. Und da das ja wie erwähnt ins Geld geht, sollten die einzelnen Archive nicht viel größer als 100 GB sein.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Synology, die uns die DiskStation auf unsere Nachfrage hin zur Verfügung gestellt haben!